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Ernährung

vegetarischer Schlachter

Schickes Schild: Der vegetarische Metzger in Amsterdam

Vor kurzem war ich in Amsterdam. Wir haben sehr nett indonesisch gegessen bei Kantjil & de Tijger. Vermutlich gibt es zwar authentischere Läden dieser Art in Amsterdam, aber das Kantjil & de Tijger soll eine echte Institution sein, heißt es. Es existiert immerhin schon über 25 Jahre. Mein Tipp: Unbedingt reservieren. Sogar an einem Montag Abend während der WM ist es da knallvoll.

Lupinen-Burger für alle

Außerdem bin ich stundenlang durch mein Lieblingsgrachtenviertel Jordaan spaziert (aaaaach) und dabei auf einen besonderen Sandwichladen gestossen: Einen vegetarischen Metzger. Also, sowas ham wa in München ja nicht – oder? Schade eigentlich. Könnte ich mir gut auf dem Viktualienmarkt vorstellen. Gleich neben dem Pferdemetzger…

Ob es der beste Vegi-Deli Amsterdams ist, weiß ich nicht. Aber sicher nicht der schlechteste...

Ob es das beste Veggie-Deli Amsterdams ist, weiß ich nicht. Aber sicher nicht das schlechteste…

Ein bißchen noch netter hätte ich es ja gefunden, wenn das so ein Amsterdamer Hipster-Selbermacher-Laden gewesen wäre, den ich da zufällig entdeckt hätte. Ist es aber nicht. Vielleicht kennt ihr ihn ja auch schon: Der vegetarische Metzger ist recht professionell und umtriebig und scheint halb Europa mit Lupinenpflanzerln zu beliefern. (Außer uns eben. Zur Beruhigung, liebe Münchner: Berlin ist auch nicht dabei. ;-))

Und was machen wir? Wir gehen derweil zum Beispiel ins Royal Kebab House oder zu Holy Burger. Die braten sehr leckere Seitan-Dürüms und Halloumi-Burger.

Vortrag auf der TEDxKonferenz

Bill Yosses, Pastry Chef des Weißen Hauses, erzählt vom Gemüsegarten der Obamas

Vergangenen Samstag, 16. Februar, hat in Manhattan die Konferenz „TEDx Manhattan“ stattgefunden. In diesem Jahr stand sie unter dem Motto „Changing the Way We eat“. Die Referenten stammen aus dem Agrar- und Ernährungsbereich und stellen ihre Ideen, Organisationen und Konzepte vor, mit denen sie versuchen, Ernährungsgewohnheiten zu verbessern. Wie beim großen Bruder, der berühmten TED Konferenz in Kalifornien, kann man sich die Vorträge hier online anschauen. Ich habe in diesem Jahr leider erst ein paar gesehen, aber die haben sich gelohnt.

Von Lebensmittelverschwendung, Wabisabi und Kleingärtnern

Das Event ist in drei Bereiche gegliedert: Inform – Educate – Empower und greift viele Themen auf, die auch in der Ernährungsdiskussion in Deutschland aktuell sind – wie Lebensmittelverschwendung: 40 Prozent der in den USA erzeugten Nahrungsmittel landen auf dem Müll. Mehr darüber erfährt man in Session 2, von Peter Lehner von NRDC. (Ab ca. 50:00) Sehr faszinierend fand ich auch den Vortrag von Tama Matsuoka Wong von MeadowsandMore, die erzählt, wie sie wild wachsende Pflanzen als Nahrungsmittel entdeckte – und was man tun muss, um diese zu erhalten. (Session 1, 1:20) Oder in Session 1, 1:15 – hier stellt Gary Oppenheim seine Organisation ampleharvest.org vor. Wer einen eigenen Garten hat, kennt das Problem: Sind die Äpfel oder Zwetschgen reif, hat man mehr als man essen kann – über Ampleharvest.org können diese Menschen (in den USA) ihre überschüssigen Ernte spenden.

selbstgemachte Fischstäbchen

Selbst gemacht schmecken Fischstäbchen nicht nur Kindern.

Fischstäbchen mit Kartoffelbrei Immer nur Couscous und Gemüse geht meinen Kindern auf die Nerven. Deshalb kochen wir am Samstag das, was sie sich wünschen. Meistens also irgendeine Form von Nudeln mit Fleisch. Aber gestern entschieden sie sich für Fischstäbchen mit Kartoffelbrei und Gurke.

Jahrelang kannte ich diese nur zubereitet von dem netten Käptain mit Rauschebart. Dabei kann man sie sehr leicht selber machen – und erlebt beim Essen ein wahres Erweckungserlebnis.

Zehn Minuten mehr Arbeit

paniertes Fischfilet

Wildlachs eignet sich gut.

Sehr gut eignet sich tiefgekühlter Wildlachs. Den lasse ich antauen und schneide ihn in Streifen, etwa ein Zentimeter breit, vier Zentimeter lang. Fischstäbchenform eben. Die tauche ich nacheinander in Mehl mit nicht zu wenig Salz und einem Hauch Pfeffer, verquirltes Ei und zuletzt Semmelbröseln. Zehn Minuten mehr Arbeit als beim Fertiggericht. Das war’s. Dann brät man sie genauso wie die fertigen Fischstäbchen. Nur dass sie eben viiiiiieeel besser schmecken. Wirklich!

Pralinen

Sie sehen aus wie barocke Prinzessinnen: Die Pralinen aus dem Hause Sama-Sama, in der Westenrieder Straße hinterm Viktualienmarkt. Ich finde sie wunderschön anzuschauen: Manche sind mit Gold bestäubt, andere tragen ein Hütchen aus Schokolade, andere schmücken sich mit Perlen oder kandierten Blüten. Zartes Pistaziengrün, blaßblau und kaffeebraun. Aber wie das so ist mit stark aufgerüschten Prinzessinnen: Nicht jede hält, was sie auf den ersten Blick verspricht. Manche sind etwas zu üppig, beinahe ordinär. Andere verunsichern mit eigenartigem Innenleben: Mitunter finden sich sogar getrocknete Früchte unter der schokoladig glänzenden Hülle.

Fazit:
Wirklich gern mochte ich die mächtige Nougat- und die zartrose Kirschkreation (auch wenn ich sie für Pralinen irgendwie eine Nummer zu groß fand). Die anderen waren geschmacklich nicht ganz mein Fall – aber außergewöhnlich hübsch anzusehen, ja, das waren sie alle!

Leon
Das Kochbuch „Leon. Natürlich Fast Food“ lag heuter unterm Weihnachtsbaum – es ist zwar nicht mehr brandaktuell (erschien im Sommer 2011) – aber für uns gut geeignet. Denn mit zwei kleinen, hungrigen Kindern bleibt oft wenig Zeit zum Kochen. Heute hab ich das erste Rezept ausprobiert: Gerstencouscous mit Schaftskäse, Gurke und Granatapfelkernen. Sehr lecker, die Granatapfelkerne verleihen dem (sonst ziemlich normalen) Couscous eine besondere, fruchtige Note. Ich bin schon gespannt, was sich in dem Buch noch so alles findet. Bei Valentinas hat es immerhin das Urteil: „Ein Kochbuch, das zufrieden macht“ erreicht.

Karotten und Gurken
Das Virus ist schuld. Wär die Familie in den letzten vierzehn Tagen nicht der Reihe nach krank gewesen, hätte ich bestimmt mehr Zeit gefunden zu kochen – und nicht nur belegte Brote in mich reingestopft. Deshalb wollte ich beim Restaurantbesuch am Wochenende unbedingt frisches Gemüse essen. Früher waren wir manchmal vegan im Zerwirk essen, das ist inzwischen geschlossen, aber das Max Pett beim Sendlinger Tor erscheint mir als würdiger Nachfolger. Deshalb versuchten wir’s dort mal mit veganer Küche.


So hat’s geschmeckt

Um lecker vegan kochen zu können, braucht es viel Erfahrung und Experimentierfreude – zumindest dann, wenn beispielsweise Wirsingrouladen mit Kartoffelstampf und Soße auf der Speisekarte stehen. Bei einem solchen Gericht erinnern sich die meisten sofort an einen bestimmten deftig-fleischigen Geschmack. Dem kam das Gericht zwar nicht nahe, gut hat es dennoch geschmeckt. Anders eben. Deftig-gemüsig. Beim Falafel-Teller mit Cous-Cous und Hummus fällt das Kochen vermutlich leichter, denn diese Gerichte enthalten eh kaum tierische Produkte. Die Falafel waren schön kross, Hummus und Cous-Cous kräftig gewürzt, der schwarze Sesam passte hervorragend dazu. Der Makam-Veggie-Döner mit Salat und Fladenbrot kam ebenfalls gut an. Bei herkömmlichem Döner ist das Fleisch (wie bei Currywurst) sowieso in erster Linie dazu da, Gewürze zu transportieren. Ich würde wetten, dass man beispielsweise in einem Fußballstadion die Currywürste gegen Veggie-Würste austauschen könnte und ein Großteil der Besucher den Unterschied kaum bemerken würde.

Für unsere Einjährige gab es Gnocchi mit gebratenem Gemüse – relativ simpel – und bis auf die langen Rucolablätter hat ihr das gut geschmeckt. Eine weitere Besonderheit des Max Pett: Hier stehen nur alkoholfreie Getränke auf der Karte. Ich bestellte einen alkoholfreien Rosé. Nicht übel, aber richtiger Wein ist mir trotzdem lieber.

Auf den Nachtisch mussten wir leider verzichten. Denn mit kleinen Kindern ist das Restaurant anstrengend. Der einzige Kinderstuhl war leider kaputt, Töchterchen musste also auf dem Schoß sitzen. Auch nachdem die Kinder fertig gegessen hatten, blieb es aufregend: Die einbeinigen Tische stehen eng und sind etwas wackelig – zum Glück ist keiner umgekippt. Außerdem: Wer gerade laufen lernt, stolpert leicht die kleine Treppe im Lokal hinab. Da gibt es weniger stressige Gaststätten…

Mein Fazit
Trotz des leckeren Essens: Ins Max Pett geht man am besten nicht unbedingt mit kleinen Kindern – sondern davor. Für Schwangere ist das Lokal super – sie brauchen sich keine Gedanken um Listerien & Co. zu machen und können in der alkoholfreien Wein- und Bierauswahl schwelgen.

Infos:
Max Pett
Pettenkoferstr. 8, Nähe Sendlinger Tor in München
Telefon: 089/55869119
Website: www.max-pett.de

Die Welt hungert. Naja, gut, nicht die ganze Welt nur so rund ’ne Milliarde Menschen. Ein weiterer Teil ist mangelernährt – mit gravierenden Folgen. Und eine weitere Milliarde Menschen ist übergewichtig. Ebenfalls mit gravierenden Folgen. – Da stimmt doch was nicht, oder?

„Die USA haben im vergangenen Jahr 138 Millionen Tonnen Mais verbrannt, und gleichzeitig ist alle fünf Sekunden irgendwo auf der Welt ein Kind an Hunger gestorben. Verstehst du? Das geht doch nicht“, stellt der Schweizer Soziologe Jean Ziegler in diesem wunderbaren Porträt in der Süddeutschen Zeitung fest. Ziegler arbeitete acht Jahre lang (2000 bis 2008) als UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Seine Erfahrungen hat er in seinem jüngsten Buch „Wir lassen sie verhungern – Die Massenvernichtung in der Dritten Welt“ verarbeitet. Zahlreiche offizielle Statistiken belegen im ersten Teil des lesenswerten Buchs, wo wieviele Menschen unter Hunger und Mangelernährung leiden. Im zweiten Teil skizziert er, welche Verantwortung Nahrungsmittelspekulanten, Weltbank und andere Akteure tragen.

Münchner Klimaherbst

Am kommenden Mittwoch spricht Jean Ziegler bei der Auftaktveranstaltung zum Münchner Klimaherbst. Die Veranstaltungsreihe (initiiert u.a. von der Münchner Volkshochschule) befasst sich heuer in über 40 Veranstaltungen mit der Qualität und der Herkunft unserer Lebensmitteln, mit regionaler Versorgung, dem Einfluss von Ernährung auf den Klimawandel und der zunehmenden Nahrungsmittelspektulation.

Kampagne: Mit Essen spielt man nicht

Wer sich die blanken Zahlen ansieht, erkennt, dass auch nach Abzug der Inflation der Preis für Nahrungsmittel auf dem Weltmarkt stark gestiegen ist. Die Spekulanten (oder Tigerhaie, wie Ziegler sie nennt) haben ein neues Betätigungsfeld entdeckt. Die Folgen sind zeigen sich vor allem bei jenen, die eh schon den größten Teil ihres Einkommens für Essen ausgeben mussten: Den Armen der Entwicklungsländer. In Deutschland haben Hilfsorganisationen (Oxfam, Attac, Campact, Misereor, NGG, Südwind, Weed und die Welthungerhilfe) eine Kampagne gegen Nahrungsmittelspekulanten gestartet und appellieren an den Bundesfinanzminister stärker gegen Spekulanten wie die Allianz und die Deutsche Bank vorzugehen. Den Appell kann man hier unterzeichnen

Radiotipps
Die Klimaherbst-Veranstaltung mit Jean Ziegler ist bereits ausgebucht, doch der Klimaherbst und seine Akteure finden auch in den lokalen Medien ihren Niederschlag. Beim Bayrischen Rundfunk widmet sich das Notizbuch auf Bayern2 am 15. Oktober Lebensmitteln, die krank machen können und der oben erwähnte Jean Ziegler ist zu Gast im Dossier Politik. Genügend Anlass und Gelegenheit, sich in diesem Herbst Gedanken über unsere Ernährung zu machen. Nicht nur heute am Erntedankfest…

Transparenz-Info: Für das Magazin des Münchner Klimaherbsts habe ich als Autorin gearbeitet. Ich schrieb darüber, wie schwer es ist, Gewohnheiten zu ändern. Den Artikel findet man hier.