Herbst der Ernährung

Die Welt hungert. Naja, gut, nicht die ganze Welt nur so rund ’ne Milliarde Menschen. Ein weiterer Teil ist mangelernährt – mit gravierenden Folgen. Und eine weitere Milliarde Menschen ist übergewichtig. Ebenfalls mit gravierenden Folgen. – Da stimmt doch was nicht, oder?

„Die USA haben im vergangenen Jahr 138 Millionen Tonnen Mais verbrannt, und gleichzeitig ist alle fünf Sekunden irgendwo auf der Welt ein Kind an Hunger gestorben. Verstehst du? Das geht doch nicht“, stellt der Schweizer Soziologe Jean Ziegler in diesem wunderbaren Porträt in der Süddeutschen Zeitung fest. Ziegler arbeitete acht Jahre lang (2000 bis 2008) als UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Seine Erfahrungen hat er in seinem jüngsten Buch „Wir lassen sie verhungern – Die Massenvernichtung in der Dritten Welt“ verarbeitet. Zahlreiche offizielle Statistiken belegen im ersten Teil des lesenswerten Buchs, wo wieviele Menschen unter Hunger und Mangelernährung leiden. Im zweiten Teil skizziert er, welche Verantwortung Nahrungsmittelspekulanten, Weltbank und andere Akteure tragen.

Münchner Klimaherbst

Am kommenden Mittwoch spricht Jean Ziegler bei der Auftaktveranstaltung zum Münchner Klimaherbst. Die Veranstaltungsreihe (initiiert u.a. von der Münchner Volkshochschule) befasst sich heuer in über 40 Veranstaltungen mit der Qualität und der Herkunft unserer Lebensmitteln, mit regionaler Versorgung, dem Einfluss von Ernährung auf den Klimawandel und der zunehmenden Nahrungsmittelspektulation.

Kampagne: Mit Essen spielt man nicht

Wer sich die blanken Zahlen ansieht, erkennt, dass auch nach Abzug der Inflation der Preis für Nahrungsmittel auf dem Weltmarkt stark gestiegen ist. Die Spekulanten (oder Tigerhaie, wie Ziegler sie nennt) haben ein neues Betätigungsfeld entdeckt. Die Folgen sind zeigen sich vor allem bei jenen, die eh schon den größten Teil ihres Einkommens für Essen ausgeben mussten: Den Armen der Entwicklungsländer. In Deutschland haben Hilfsorganisationen (Oxfam, Attac, Campact, Misereor, NGG, Südwind, Weed und die Welthungerhilfe) eine Kampagne gegen Nahrungsmittelspekulanten gestartet und appellieren an den Bundesfinanzminister stärker gegen Spekulanten wie die Allianz und die Deutsche Bank vorzugehen. Den Appell kann man hier unterzeichnen

Radiotipps
Die Klimaherbst-Veranstaltung mit Jean Ziegler ist bereits ausgebucht, doch der Klimaherbst und seine Akteure finden auch in den lokalen Medien ihren Niederschlag. Beim Bayrischen Rundfunk widmet sich das Notizbuch auf Bayern2 am 15. Oktober Lebensmitteln, die krank machen können und der oben erwähnte Jean Ziegler ist zu Gast im Dossier Politik. Genügend Anlass und Gelegenheit, sich in diesem Herbst Gedanken über unsere Ernährung zu machen. Nicht nur heute am Erntedankfest…

Transparenz-Info: Für das Magazin des Münchner Klimaherbsts habe ich als Autorin gearbeitet. Ich schrieb darüber, wie schwer es ist, Gewohnheiten zu ändern. Den Artikel findet man hier.

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