Perfektes Dinner aus dem Discounter?

Kochen ist salonfähig: Brutzelte früher eine „gute Hausfrau“ hinter verschlossenen Türen und servierte anschließend im Speisezimmer, geben heute manche Menschen für ihre Kücheneinrichtungen mehr aus als für ihr Auto – um dann leidenschaftlich ihr Können am Herd zu beweisen. Das „Kochen mit Freunden“ wird in ZDF-Spielfilmen – und den Werbespots dazwischen – thematisch ausgeschlachtet. Zahllose Kochshows leiten an, wie die Speisen ferner Länder zuzubereiten sind. Auch das Internet strotzt vor wunderschöner Food Blogs mit Rezepten, tollen Fotos und Küchenanekdoten. Ich freue mich, dass sich so viele Menschen mit ihrer Ernährung beschäftigen. Kochen ist eine Kulturtechnik, Essen verbindet uns mit unserer Geschichte, unseren Wurzeln und der Welt. Nicht zuletzt nährt es unsere Körper. Was ich jedoch nicht verstehe: Warum interessieren sich so wenige Menschen dafür, wo ihre Lebensmittel herkommen und wer sie unter welchen Bedingungen produziert?

Den Unterschied kann man schmecken

Glückliches Schwein?

Glückliches Schwein?

Sieht man sich beispielsweise „Das perfekte Promi-Dinner“ an (da zappe ich nach dem Tatort sonntags gerne mal hin), kann man Menschen, mitunter sogar wohlhabende Menschen, dabei beobachten, wie sie für ihr perfektes Abendessen einkaufen: gerne im Supermarkt, sogar im Discounter. Die Zutaten sind häufig in Plastik eingeschweisst, tiefgefroren oder industriell verarbeitet. Fast nie sieht man jemanden auf dem Wochenmarkt einkaufen, schon gar nicht im Bioladen oder direkt beim Bauern.

Dabei macht es einen großen Unterschied, ob eine Tomate im Gewächshaus oder der Sonne gereift ist, ob Frischkäse mit Joghurt und Gelatine gestreckt ist oder ob ein Rind mit Antibiotikum vollgepumpt wurde oder auf der Weide Gras rupfen durfte. Und zwar nicht nur für das Rind. Diesen Unterschied kann man auch schmecken. Gerade Menschen, die sich fürs Kochen interessieren, sollten sich deshalb auch mit der Produktion von Lebensmitteln befassen. Sie sollten nachfragen, wo ihre Tomaten angebaut wurden, was das Tier gefuttert hat, dessen Fleisch sie essen, wo ihre Garnelen aufwachsen. Natürlich wäre es schön, wenn sie das aus ökologischen und ethischen Gründen täten. Aber es würde auch schon reichen, wenn es ihnen nur um den Geschmack geht. Es wird Zeit, dass auch das Gespräch über die Lebensmittelherstellung salonfähig wird.

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